Applaus für alle! Reicht das?

 

Viele Menschen im Land engagieren sich ehrenamtlich, z.B. bei den Feuerwehren und Rettungsdiensten, im sozialen Bereich oder im Sport.  DIE LINKE schätzt diese Beteiligung sehr, egal, ob in Vereinen, Verbänden oder Initiativen. Es ist ein Zeichen für Solidarität statt Ellenbogen.

Während der Corona  Pandemie wurde noch offensichtlicher, was alles im Ehrenamt geleistet wird: Einerseits, wenn plötzlich das Handballtraining, die Chorproben oder die Kaffeenachmittage für Senior:innen, monatelang ausfallen mussten.
Andererseits haben sich gerade in dieser Zeit viele Menschen gefunden, die Hilfe bei Besorgungen für Ältere angeboten haben, in ihrer Kurzarbeit auf dem Sportplatz in Eigenregie ein Spielfeld für Kinder angelegt haben oder ihren Verkehrsgarten unter strengsten Hygieneregeln für diejenigen geöffnet haben, die keinen Platz zum Spielen mehr finden konnten.

Dieses solidarische Miteinander hat gezeigt, dass viele Menschen eben nicht nur an sich selbst denken. All denen, die ihren Beitrag geleistet haben oder noch leisten, und auch denen, die jetzt wieder ihre Arbeit in Vereinen, Verbänden und Initiativen aufgenommen haben, gilt unser Dank. Applaus allein reicht aber nicht.

Das Parlament kann und muss mehr tun, als Hände zu schütteln und auf Ehrungen Reden zu halten. DIE LINKE hat deshalb letztes Jahr einen Gesetzentwurf eingebracht, der auf zwei Säulen steht:

Säule 1: Die ehrenamtlich tätigen Menschen sollen Anerkennung erfahren. Dazu planen wir die landesweite Ehrenamtskarte, die es engagierten Menschen und deren Familien ermöglichen soll, Vergünstigungen bei Eintrittsgeldern in kommunalen Einrichtungen zu erhalten, ihnen umfassenden Versicherungsschutz zu bieten und Fortbildung zu ermöglichen.

Säule 2: Der Auf- und Ausbau von Strukturen vor Ort muss ermöglicht werden. Engagement entsteht vor Ort, also in unseren Städten und Gemeinden. Ehrenamt braucht aber auch ein Hauptamt, d.h. einen Anlaufpunkt für wichtige Fragen zum Vereinsrecht oder zur Beantragung von Fördermitteln, der mindestens in jedem Landkreis und in jeder kreisfreien Stadt zur Verfügung stehen muss.

Fördermittel für die verschiedensten Aufgaben zu beantragen, erfordert immer mehr Arbeit und Wissen. Eine Stelle, die solches Wissen bündelt und hilft, ein Netzwerk aufzubauen, sodass andere Vereine, die ähnliche Pläne verfolgen, Ansprechpartner:innen mit Erfahrung finden, kann in unseren Augen nur förderlich sein.

Die schon jetzt in einigen Städten und Gemeinden arbeitenden Freiwilligenagenturen können, gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen einen wichtigen Grundstein dafür legen, dass es überall im Land solche Anlaufpunkte gibt. Wir wollen diese Aufgabe aber nicht den Kommunen übertragen, ohne die dafür notwendigen  finanziellen Mittel zur Verfügung zu stellen.

Dafür ist in unserem Gesetzentwurf ein Kommunalbudget von 50.000,00 € plus 0,50 € je Einwohner:in für jeden Landkreis und jede kreisfreie Stadt vorgesehen.

Die Diskussion im Landtag zu unserem Gesetzentwurf verläuft schleppend: die SPD möchte zunächst nur über eine „Strategie zur Förderung Ehrenamtlicher“ reden, die CDU möchte die Finanzierung auf Landesebene halten, damit es hübsch aussieht, wenn die Minister gnädig einen Scheck an einen Verein überreichen. Nur mit einer starken LINKEN wird dieses Thema endlich richtig angepackt. Doreen Hildebrandt